Sebastian Merle koordiniert im Stadtteilzentrum Bickern/Unser Fritz das Projekt "STuBI".Bürger als ehrenamtliche Vermittler, Berater und Ansprechpartner in Bildungsfragen
Was wäre ein Stadtteilprojekt ohne die Menschen, die in dem Stadtteil leben? In Bickern/Unser Fritz sind jetzt Bürgerinnen und Bürger aller Nationalitäten eingeladen, sich als ehrenamtliche "Paten" um die Integration aller Einwohner verdient zu machen. 14 Männer und Frauen, Jüngere und Ältere, Migranten und Deutsche können sich melden. Zugleich sucht das Stadtteilbüro "Bildungslotsen", die Kindern aus Migrantenfamilien schulisch auf die Sprünge helfen. Ein griffiger Name soll das doppelte Projekt bekannt machen: STuBI - wie Stadtteilpaten und Bildungslotsen.
Sebastian Merle, ein 31-jähriger Sozialwissenschaftler mit argentinischen Wurzeln, koordiniert das Projekt. Eingestellt hat ihn Anfang Februar für 15 Monate die Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit in Herne (gfi), das Land finanziert seine Stelle. Merles Aufgabe ist es, StuBi so nachhaltig zu verankern, dass Paten und Lotsen am Ende eigenständig arbeiten.
"Die Stadtteilpaten sollen als Vermittler fungieren und Konflikte vor Ort lösen", definiert Sebastia?n Merle deren Rolle. Konflikte, wie sie heute u.a. Michael Barszap als Geschäftsführer der gfi hört. "Zum Beispiel, wenn die türkischen Familien zu Weihnachten Wäsche aufhängen." Oder das Fastenbrechen den deutschen Nachbarn zu laut ausfällt. Barszap selbst will den Stadtteilpaten einen Überblick über die Fachbereiche der Stadtverwaltung geben, die weitere Fortbildung in interkulturellen Fragen besorgt ein externes Institut. Sebastian Merle stellt sich vor, dass die Paten auch "kleine Feste organisieren". Schon heute kann er sich im Stadtteil auf aktive Ehrenamtliche stützen, aus dem alevitischen und dem marokkanischen Kulturverein. "Für Migranten ist das interessant", ist Merle überzeugt, eröffne es ihnen doch "Möglichkeiten, ihre Interessen zu vertreten".
Auch für "Bildungslotsen" sieht Merle einen Gewinn: Sie lernen ganz nebenbei die Kultur der Migrantenfamilien kennen. Merle und Barszap denken an eine Unterstützung, die über eine reine Hausaufgabenhilfe hinausgeht und sich sogar bis zum Übergang von Schule in den Beruf erstrecken könnte. Ob die Bildungslotsen die Kinder zu Hause oder im Stadtteilzentrum begleiten, bleibt individuell zu vereinbaren. Schon jetzt ist übrigens eine frühere Lehrerin dort aktiv. Merle will das Projekt auch an Schulen und an der Ruhr-Universität bekannt machen, um ältere Schüler und Studenten zu gewinnen. Die Fortbildung übernimmt die Regionalstelle zur Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien (RAA).
Info: Tel: WAN 9689-25 oder www.stubi-herne.de.tl
Auf geht's!
WAZ vom 21.09.2007
Von Elmar Matschke
Für den Stadtteil Bickern/Unser Fritz geht's bergauf. Im Sommer 2006 begannen die Planungen für ein Förderprojekt, an denen sich viele Persönlichkeiten und Träger beteiligten. Der daraus resultierende Antrag der Stadt Herne wurde im August von der Bezirksregierung in Arnsberg bewilligt, so dass bis 2011 insgesamt 436 000 Euro an öffentlichen Mitteln fließen. Nun startet die Realisierung des Maßnahmepaketes, das verschiedene Bereiche abdeckt.
Es handelt sich um Projekte für Kinder und junge Familien, Schule und Schulumfeld, soziale und ethnische Integration sowie für Kinder und Jugendliche. Weitere Zielsetzung ist die Image-Verbesserung des Stadtteils mit besonderem Erneuerungsbedarf. "Ich hoffe, dass die Angebote auch angenommen werden. Denn es geht sowohl um die Verbesserung der Lebensqualität als auch um einen Langzeiteffekt, die Nachhaltigkeit", erklärte OB Horst Schiereck.
An der Melanchthon-Hauptschule ist für Mai 2008 ein Variete´ geplant. Das Projekt firmiert unter dem Namen "JeMaMi" ("Jeder macht mit"). Außerschulische Partner sollen mit ins Boot. "Die Schüler sollen sich ihrer Stärken bewusst werden", wünscht sich Rainer Fercke. Der Schulleiter präsentierte als zweites Eisen im Feuer ein Projekt zur Förderung der Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger. Das Neue: Es wird nicht mit ganzen Klassen gemeinsam gearbeitet, sondern zwei Berufstrainer fördern die Schüler individuell.
Als Konfliktmanager, Ansprechpartner für Alltagsprobleme und Anlaufstellen vor Ort sollen sogenannte ehrenamtliche Stadtteilpaten fungieren. Sie werden geschult. "Es kann sich wirklich jeder für diese Aufgabe melden", sagte Michael Barszap, Geschäftsführer der GFI (Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit). Barszap möchte darüber hinaus Mentoren für leistungsschwache Schüler mit Migrationshintergrund gewinnen.
Und damit nicht genug: Auch die Imageverbesserung des Stadtteils wird von den Projektinitiatoren in Angriff genommen. Sie soll durch Mitmach-Aktionen erreicht werden, nämlich den Bau einer Stadtteilskulptur sowie einer Bushaltestelle. Die Skulptur soll am Spielplatz Wilhelmstraße stehen und zum neuen Stadtteilzentrum hinleiten, das 2008 fertiggestellt sein wird. "Wir wollen dabei unterschiedliche Generationen und Kulturen beteiligen", betonte Peter Apel vom Planungsbüro Stadt-Kinder. Und wieso eine Bushaltestelle? Peter Apel: "Jugendliche treffen sich dort gerne." Den Ideen zufolge sollen sie die flippige und extrovertierte Bushaltestelle, eventuell schräg und ausgestattet mit einer Infotafel, selbst entwerfen, gestalten und erstellen. Vorher gibt es Workshops, im nächsten Jahr geht die praktische Arbeit los.
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Interessierte Paten können sich bei Michael Barszap unter HER 16 32 87 melden.
Die Pläne stehen, alle freuen sich über das Geld: In den Stadtteilen Bickern und Unser Fritz soll es nun bergauf gehen. Foto: WAZ, Ute Gabriel